Ursachen von Rückenschmerzen im unteren Rücken
Schmerzen in der Region der Lendenwirbelsäule strahlen manchmal in den Bauch aus und führen zu Unterleibsschmerzen. Dahinter können verschiedene Ursachen stecken: Verspannungen, Entzündungen oder Verletzungen sind ebenso möglich wie Fehlbildungen und Abnutzungserscheinungen an der Lendenwirbelsäule und im Kreuzbein.
Bei Schmerzen im unteren Rücken seitlich links könnten auch der Darm und das Harnsystem an der Entstehung der Rückenschmerzen beteiligt sein. Eventuell sind Milz, Leber oder die Nieren die eigentliche Ursache für die Beschwerden und der Schmerz strahlt bis in den unteren Rücken.
Wenn Bauchschmerzen und Rückenschmerzen gleichzeitig auftreten, müssen die Beschwerden allerdings nicht zwangsläufig zusammenhängen. Möglicherweise lassen sich die Symptome auch auf verschiedene Ursachen zurückführen.
Ursachen von Rückenschmerzen im mittleren und oberen Rücken
Treten die Rückenschmerzen im mittleren und oberen Bereich auf, betreffen die Beschwerden überwiegend die Regionen um die Brustwirbelsäule (BWS) und Halswirbelsäule (HWS) herum.
Die Brustwirbelsäule bildet mit zwölf Brustwirbeln den längsten Abschnitt der Wirbelsäule. Wer unter Brustwirbelsäulenschmerzen leidet, nimmt in der Regel dumpfe oder drückende Schmerzen im oberen Rücken und zwischen den Schulterblättern wahr. Der Schmerz kann sich über den Rippenbogen bis nach vorne ziehen, so dass Brust- und Rückenschmerzen gleichzeitig auftreten.
Achtung
Brust- und Rückenschmerzen gleichzeitig können auch auf einen Herzinfarkt hindeuten. Rufen Sie sicherheitshalber den Notarzt unter der Notrufnummer 112, falls Sie zusätzlich zu Schmerzen im mittleren und oberen Rücken folgende Symptome wahrnehmen: ein Gefühl von Enge im Brustkorb in Verbindung mit Atemnot und Übelkeit sowie Schweißausbrüchen oder einer Ausstrahlung der Schmerzen in die Arme, den Kiefer und den Hals.
Kommt es zu intensiven Bauchschmerzen und Rückenschmerzen zur gleichen Zeit, liegt möglicherweise eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) vor. Ist das der Fall, legt sich der Schmerz häufig wie ein Gürtel um den Rumpf. Weitere Symptome, die für eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse sprechen können, sind Fieber, Übelkeit und Erbrechen.
Plötzliche und chronische Rückenschmerzen
Rückenschmerzen werden in Bezug auf ihren zeitlichen Verlauf in drei Kategorien eingeteilt:
- akute Rückenschmerzen
- subakute Rückenschmerzen und
- chronische Rückenschmerzen
Als akute Rückenschmerzen gelten neu auftretende Schmerzen, die weniger als sechs Wochen andauern. Bestehen die Rückenschmerzen zwischen sechs und zwölf Wochen, werden die Rückenschmerzen als „subakut“ bezeichnet. Halten die Schmerzen über zwölf Wochen hinweg an, ist von chronischen Rückenschmerzen die Rede. Die Stärke der Schmerzen und ob sie nur bei Bewegung oder auch bei Ruhe auftreten, kann während dieser Zeit variieren.
Ursachen plötzlicher (akuter) Rückenschmerzen umfassen beispielsweise Wirbelgleiten, den Hexenschuss oder Ischiasschmerz. Bei manchen akuten Rückenschmerzen ist ein Arztbesuch nötig.
Mit chronischen Rückenschmerzen können auch andere Beschwerden einhergehen: Der Schmerz kann etwa auch Schlafstörungen, Ängste oder Gewichtszunahme verursachen, die ihn wiederum verstärken. Durch die Rückenschmerzen entsteht schlimmstenfalls ein Teufelskreis, der das Leben stark beeinträchtigen kann.
Spezifische und nicht-spezifische Rückenschmerzen
Ärztinnen und Ärzte unterscheiden bei Rückenschmerzen entsprechend der Ursache zwischen spezifischen und nicht-spezifischen beziehungsweise unspezifischen Rückenschmerzen.
Bei spezifischen Rückenschmerzen gibt es eine feststellbare körperliche Ursache, die zu den Schmerzen am Rücken führt. Da es also einen spezifischen Grund für die Beschwerden gibt, ist es möglich, den Schmerz zielgerichtet zu behandeln. Dabei kann es sich beispielsweise um Entzündungen, um Wirbelgleiten oder einen Bandscheibenvorfall handeln.
Spezifische Ursachen von Rückenschmerzen entstehen oft aus Einengungen oder entzündlichen Reizungen von Nerven im Bereich der Austrittsstelle aus dem Wirbel (Nervenwurzelkompression). Entzündungsbedingt können Sehnenansätze der Rückenmuskeln an den Wirbeln schmerzen (Enthesitis/Enthesiopathie). Auch bakteriell infizierte Bandscheiben und Wirbel (Spondylodiszitis) sind eine mögliche Ursache von Rückenschmerzen.
Werden Wurzeln von Nerven gereizt oder eingeengt, so können Schmerzen oder Taubheit entlang dieser Nerven bis in entfernte Bereiche ausstrahlen (radikuläres Syndrom). Im Wirbelkanal kann eine verschobene, „vorgefallene“ Bandscheibe buchstäblich „auf den Nerv gehen“, der sogenannte Bandscheibenvorfall.
Was ist ein Bandscheibenvorfall?
Die Wirbelsäule des Menschen besitzt 23 Bandscheiben. Diese sitzen zwischen den Wirbelkörpern. Ihre Stärke nimmt von oben nach unten zu: Im Bereich der Halswirbelsäule sind sie ungefähr drei Millimeter dick. In der Region der Brustwirbelsäule beträgt ihre Stärke rund fünf Millimeter. In der Lendenwirbelsäule sind es etwa sieben Millimeter. Die Aufgabe der Bandscheiben besteht darin, den Druck zwischen den Wirbelkörpern abzufedern.
Bei einem Bandscheibenvorfall wird bestimmtes Gewebe der Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern nach außen gedrückt. Beschwerden treten erst auf, wenn dieses Gewebe auf einen Nerv oder eine Nervenwurzel drückt. Je stärker dieser Druck ausfällt, desto intensiver können die Rückenschmerzen werden.
Die meisten Bandscheibenvorfälle (70 bis 80 Prozent) treten im unteren Rücken im Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Deutlich weniger (10 bis 25 Prozent) betreffen die Halswirbelsäule beziehungsweise den Nacken. In der Brustwirbelsäule sind Bandscheibenvorfälle mit ein bis zwei Prozent sehr selten.
Bei acht von zehn Menschen mit akuten Beschwerden lässt sich der Grund für die Rückenschmerzen nicht herausfinden: Sie leiden unter nicht-spezifischen Rückenschmerzen und Muskelverspannungen. Meist gehen diese von einer verspannten Muskulatur aus. Während die Schmerzen oft nur wenige Tage andauern, können sie wiederholt auftreten. „Nicht-spezifisch“ bedeutet, dass bei medizinischen Untersuchungen kein spezifischer Grund festgestellt wird – kein entzündeter Nerv, keine gleitenden Wirbel – und Menschen dennoch Schmerzen haben.
Scheinbare körperliche Ursachen, die beispielsweise MRT-Aufnahmen (Magnetresonanztomografie) zu Trage bringen, sollten jedoch nicht überbewertet werden. Viele Patientinnen und Patienten mit Rückenbeschwerden hoffen zwar auf einen spezifischen körperlichen Befund, da sie damit eine gezielte Behandlung und ein Ende der Schmerzen erwarten – oft ist dies allerdings nicht der Fall. Denn ab einem gewissen Alter lassen durch das MRT oder Röntgen-Aufnahmen bei einem Viertel der Untersuchten Veränderungen in der Wirbelsäule feststellen, selbst wenn die Personen keine Schmerzen haben. Die Therapie solcher Zufallsfunde, die nichts mit den Beschwerden zu tun haben, wäre unnötig und hilft den Patientinnen und Patienten wenig.