Eine Frau liegt auf dem Sofa und hält sich den Bauch
Allergie

Nahrungsmittelallergie: Wenn Essen krank macht

Lesedauer weniger als 5 Min

Redaktion:

Silke Stadler (Medizinjournalistin, Jellyfish)

Qualitätssicherung:

Dr. med. Marina Müller-Bernhard (Ärztin)

Ein großer Milchkaffee zum Frühstück, ein knackiger Apfel in der Pause, das klingt selbstverständlich, kann Menschen mit einer Nahrungsmittelallergie aber krank machen. Die Lebensmittelallergie ist eine besondere Form der Nahrungsmittelunverträglichkeit. Dabei reagiert das Immunsystem auf eigentlich harmlose Eiweiße. Die allergische Reaktion erschwert den Alltag und kann sogar lebensbedrohlich werden.

Was eine Nahrungsmittelallergie ist

Eine Nahrungsmittelallergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Lebensmittel.

Das bedeutet:
Der Körper stuft eigentlich harmlose Bestandteile der Nahrung als gefährlich ein und reagiert darauf mit einer Abwehrreaktion.

Diese Reaktion kann ganz unterschiedlich ausfallen, von milden Beschwerden bis hin zu schweren Reaktionen.

Allergie oder Unverträglichkeit

Viele Beschwerden nach dem Essen werden als „Allergie“ bezeichnet. Tatsächlich steckt aber oft etwas anderes dahinter.

Der Unterschied:

Bei einer Unverträglichkeit kann der Körper bestimmte Stoffe nicht richtig verarbeiten. Bei einer Allergie reagiert er aktiv dagegen.

 

Welche Lebensmittel Allergien auslösen können

Grundsätzlich kann fast jedes Lebensmittel eine allergische Reaktion auslösen.

Besonders häufig sind:

Welche Lebensmittel konkret problematisch sind, ist individuell unterschiedlich.

So zeigen sich Nahrungsmittelallergien

Die Symptome können sehr unterschiedlich sein und mehrere Bereiche gleichzeitig betreffen.

  • Mundbereich: Schwellung, Jucken, Kribbeln, Brennen
  • Magen-Darm-Bereich: Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Blähungen
  • Hals-Nasen-Ohren-Bereich: Husten, Atemnot, Asthma
  • Haut: Ausschlag, Juckreiz, Quaddeln, Pusteln
  • Herz-Kreislauf-System: Im Extremfall Anaphylaxie (akute systemische Reaktion mit Symptomen einer allergischen Sofortreaktion, die den ganzen Organismus erfassen kann und potenziell lebensbedrohlich ist.)

Eine Frau kratzt sich am Arm

Die Symptome einer Lebensmittelallergie sind vielfältig und können von Juckreiz über Übelkeit bis hin zum allergischen Schock reichen.

Warum Nahrungsmittelallergien oft schwer zu erkennen sind

Die Symptome sind nicht immer eindeutig und können auch andere Ursachen haben.

Außerdem reagiert nicht jeder Körper gleich stark oder sofort.
Das macht es schwierig, eine Allergie allein anhand der Beschwerden sicher zu erkennen.

Kreuzallergien: Wenn der Körper „verwechselt“

Bei einer Kreuzallergie reagiert der Körper auf ähnliche Stoffe.

Typisches Beispiel:
Menschen mit Pollenallergie reagieren zusätzlich auf bestimmte Obst- oder Gemüsesorten.

Dabei ist sie eigentlich ein Irrtum: Das Immunsystem verwechselt die Allergene. Eiweiße, die den Heuschnupfen auslösen, haben eine molekulare Ähnlichkeit mit Lebensmitteln wie Steinobst, Soja, Nüssen, Gemüse. Daher reagiert der Körper heftig: Beim Biss in den Apfel oder in den Pfirsich schwillt die Lippe an, juckt der Gaumen oder verengt sich die Luftröhre, so dass das Atmen schwerer fällt.

Behandlung: Was kann man gegen eine Nahrungsmittelallergie tun?

Der wichtigste Ansatz ist konsequent und oft einfacher gesagt als umgesetzt:

„Die wirksamste Behandlung einer Nahrungsmittelallergie ist derzeit immer noch das Weglassen“, fasst Prof. Dr. Eva Untersmayr-Elsenhuber zusammen. „Die allergieauslösende Substanz – sofern man diese kennt – wird also vom Speiseplan gestrichen.“

Das bedeutet:
Das auslösende Lebensmittel sollte konsequent vermieden werden.

Gerade bei bestimmten Allergien, etwa der Erdnussallergie, ist das besonders wichtig. Hier können schon kleinste Spuren schwere Reaktionen auslösen.

Notfallset: Sicherheit für den Ernstfall

Betroffene können vom Allergologen oder der Allergologin ein Notfallset erhalten, das sie immer bei sich tragen sollten.

Dieses besteht in der Regel aus:

  • Antihistaminikum (flüssig / Tropfen)
  • Adrenalin-Autoinjektor
  • Kortison-Präparat
  • gegebenenfalls ein bronchienerweiterndes Spray

Was die Medikamente bewirken

  • Antihistaminikum und Kortison bremsen die Immunreaktion und lindern die Symptome
  • ein Asthma-Spray erweitert die Bronchien und erleichtert das Atmen
  • der Adrenalin-Autoinjektor kann bei schweren Reaktionen lebensrettend sein

Was im Notfall wichtig ist

Bei bekannten und gefährlichen Allergien gilt:

Schon bei ersten Anzeichen reagieren.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Quaddeln
  • Schwellungen von Lippen oder Gesicht
  • Kribbeln im Mund oder Rachen
  • Schwindel

In solchen Fällen sollte sofort der Notarzt (112) gerufen werden.

Wichtig:
Auch wenn Medikamente, etwa Adrenalin, zunächst helfen, muss der Notarzt oder die Notärztin unbedingt kommen. Es kann sein, dass die Symptome nachlassen und später erneut auftreten.

Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen

Ein wichtiger Punkt:
Nahrungsmittelallergien können sich im Laufe des Lebens verändern.

  • Bei Kindern können bestimmte Allergien wieder verschwinden
  • Bei Erwachsenen bleiben sie häufig bestehen

Das bedeutet: Der Umgang mit der Allergie kann sich je nach Lebensphase verändern.

Ein kleines Mädchen greift nach einem Glas Milch

Kinder reagieren eher allergisch auf Kuhmilch, Erwachsene häufiger auf Stein- und Kernobst.

Häufige Fragen und Antworten zu Nahrungsmittelallergien

Eine Nahrungsmittelallergie ist eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Eiweiße in Lebensmitteln. Der Körper stuft diese Stoffe als gefährlich ein und bildet spezifische Abwehrreaktionen aus, die Beschwerden auslösen können.
Die Allergie entsteht durch eine Sensibilisierung: Nach dem ersten Kontakt mit einem Allergen beginnt das Immunsystem, Antikörper zu bilden. Bei erneutem Verzehr des entsprechenden Lebensmittels kommt es zur allergischen Reaktion.

Die Beschwerden sind sehr vielfältig und können umfassen:

  • Hautreaktionen wie Juckreiz, Ausschlag oder Quaddeln
  • Magen-Darm-Probleme wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall
  • Atemnot oder Husten
  • Schwellungen im Mund- oder Rachenbereich
    Im Extremfall kann es zu einem allergischen (anaphylaktischen) Schock kommen, der lebensbedrohlich ist.

Bestimmte Lebensmittel sind besonders häufige Auslöser von Allergien. Dazu zählen:

  • Nüsse und Erdnüsse
  • Milch und Milchprodukte
  • Eier
  • Fisch und Meeresfrüchte
  • Verschiedene Obst- und Gemüsesorten wie Apfel, Karotte oder Sellerie
    Diese Auslöser variieren mit dem Alter; Kleinkinder reagieren z. B. häufiger auf Milch und Eier, Erwachsene eher auf Obst- und Gemüseproteine.
Eine Kreuzallergie entsteht, wenn das Immunsystem Eiweiße in Lebensmitteln mit denen von Pollen oder anderen Allergenen verwechselt. Personen mit Heuschnupfen können z. B. nach Verzehr bestimmter Früchte Haut- oder Schleimhautreaktionen zeigen.

Ärztinnen und Ärzte nutzen häufig:

  • Ernährungs- und Beschwerdetagebücher, um den zeitlichen Zusammenhang zwischen Essen und Reaktion nachzuvollziehen
  • Haut- oder Bluttests, um eine Sensibilisierung gegen bestimmte Lebensmittelallergene nachzuweisen
    In einigen Fällen wird ein Provokationstest eingesetzt, um die Diagnose zu bestätigen.
Die wichtigste Maßnahme ist das Vermeiden des auslösenden Lebensmittels. Wenn bekannt ist, welches Lebensmittel die Reaktion auslöst, wird es dauerhaft vom Speiseplan gestrichen. In vielen Fällen verschreibt der Allergologe oder die Allergologin ein Notfallset (z. B. Adrenalin-Autoinjektor, Antihistaminikum, Kortison) für den Fall schwerer Reaktionen.
Wenn sich nach dem Verzehr eines Lebensmittels akute Symptome wie Atemnot, starke Schwellungen oder Kreislaufprobleme entwickeln, sollte sofort der Notarzt (112) gerufen werden, da ein anaphylaktischer Schock lebensbedrohlich ist.
Ja. Allergien können über die Zeit abnehmen oder zunehmen und sich auf andere Lebensmittel ausweiten. Besonders bei Kindern kann sich das allergische Profil mit steigendem Alter verändern.

Literatur und weiterführende Informationen

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