Frau schnieft ins Taschentuch wegen einer Allergie
Allergie

Wie entsteht eine Allergie?

Lesedauer weniger als 4 Min

Redaktion:

Barmer

Qualitätssicherung:

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin & Allergologin bei der Barmer)

Du wachst morgens auf, die Nase ist dicht, die Augen jucken und draußen blüht einfach nur der Frühling. Oder du streichelst einen Hund und kurz darauf beginnt das Niesen. Viele kennen solche Momente. Und oft kommt die gleiche Frage auf: Warum reagiert mein Körper plötzlich so extrem auf eigentlich harmlose Dinge?

Was bei einer Allergie passiert

Eigentlich arbeitet dein Immunsystem für dich. Es schützt dich vor Viren, Bakterien und anderen Gefahren. Dafür unterscheidet es ständig zwischen „harmlos“ und „gefährlich“. Bei einer Allergie gerät genau dieses System aus dem Gleichgewicht: Dein Körper stuft harmlose Stoffe plötzlich als Bedrohung ein. Diese Stoffe werden Allergene genannt.

Das Problem ist also nicht der Stoff selbst, sondern die Reaktion deines Körpers darauf.

Warum harmlose Stoffe plötzlich Reaktionen auslösen

Pollen, Tierhaare oder Hausstaub, all das ist für vielen Menschen kein Problem. Bei einer Allergie aber reagiert dein Körper so, als wäre er in Gefahr.

Typische Auslöser sind zum Beispiel:

  • Pollen (Gräser, Getreide, Bäume)
  • Hausstaubmilben (Milbenkot)
  • Haus- und Nutztiere (Fellbestandteile oder Speichel von Hunden, Katzen, Pferden)
  • Schimmelpilze
  • bestimmte Lebensmittel (Äpfel, Kirschen, Erdnüsse, Milcheiweiß)
  • Insektengifte (Wespen, Bienen, Hornissen)
  • Medikamente (Penicillin, Ibuprofen, Röntgen-Kontrastmittel)

Der Körper startet eine Abwehrreaktion, obwohl sie in dem Ausmaß eigentlich gar nicht nötig wäre.

 

So entwickelt sich eine Allergie Schritt für Schritt

Eine Allergie entsteht nicht plötzlich. Sie entwickelt sich oft unbemerkt.

1. Sensibilisierung: Der Moment, in dem alles beginnt

Der erste Kontakt mit einem Allergen verläuft meist ohne Symptome.

Doch im Hintergrund passiert etwas Entscheidendes:
Dein Immunsystem speichert den Stoff als „gefährlich“ ab. Das ist die "Sensibilisierung."

Du merkst davon nichts, aber dein Körper merkt es sich.

2. Bei wiederholtem Kontakt: Jetzt reagiert der Körper

Dein Immunsystem erkennt den Stoff bzw. das Allergen wieder.

Und diesmal reagiert es.

Es setzt Abwehrmechanismen in Gang und schüttet Botenstoffe aus, die typischen Auslöser für allergische Beschwerden.

3. Die Symptome: Wenn der Körper Alarm schlägt

Jetzt wird eine Reaktion spürbar:

  • Deine Nase läuft
  • Deine Augen jucken
  • Du musst niesen
  • Schleimhäute schwellen an

Das Entscheidende:
Nicht der Stoff verursacht die Beschwerden, sondern die Reaktion deines Körpers.

Warum dein Körper so reagiert und andere nicht

Vielleicht kennst du das:
Neben dir sitzt jemand völlig entspannt im Park, während du mit tränenden Augen kämpfst.

Warum ist das so? Die genaue Ursache ist nicht eindeutig geklärt. Klar ist aber:
Allergien entstehen nicht durch einen einzelnen Faktor.

Die Allergieforscherin Prof. Dr. Eva Untersmayr-Elsenhuber beschreibt es so: "Man geht davon aus, dass es nicht nur eine einzige Ursache für allergische Reaktionen gibt, sondern mehrere Faktoren eine Rolle spielen, die nicht immer alle bekannt sind."

Das bedeutet:
Ob du eine Allergie entwickelst, hängt oft von einem Zusammenspiel verschiedener Einflüsse ab.

Warum Allergien plötzlich auftreten können

Eine der häufigsten Überraschungen:
Allergien können plötzlich entstehen.

Selbst dann, wenn du einen Stoff jahrelang problemlos vertragen hast.

Das liegt daran, dass die Sensibilisierung oft unbemerkt passiert und erst später Symptome auftreten.

Warum jede Allergie anders ist

Nicht jede allergische Reaktion verläuft gleich.

Manche Menschen haben nur leichte Beschwerden. Andere reagieren deutlich stärker.

Das hängt unter anderem davon ab:

  • wie empfindlich dein Immunsystem reagiert
  • wie häufig du dem Allergen ausgesetzt bist

Dein Immunsystem will dich schützen, erkennt aber harmlose Stoffe als Gefahr.

Die Folge:
Eine Abwehrreaktion, die eigentlich nicht nötig wäre.

Häufige Fragen und Antworten zur Entstehung von Allergien

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Stoffe (Allergene). Diese werden irrtümlich als gefährlich eingestuft, worauf das Abwehrsystem mit einer starken Reaktion reagiert – so entstehen typische Allergiesymptome.
Allergene sind Stoffe, die eine allergische Reaktion auslösen können, z. B. Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, bestimmte Lebensmittel, Insektengifte, Metalle oder Schimmelpilze. Sie sind für die meisten Menschen harmlos, führen aber bei Allergikern zu einer Immunreaktion.
Warum das Immunsystem einzelner Menschen überempfindlich reagiert, ist noch nicht vollständig geklärt. Forscher gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken, z. B. genetische Disposition und Umweltfaktoren.
Beim ersten Kontakt mit einem Allergen bildet das Immunsystem spezielle IgE-Antikörper gegen diesen Stoff. Dieser Vorgang wird Sensibilisierung genannt – danach reagiert der Körper empfindlicher auf diesen Stoff.
Sensibilisierung ist der Prozess, bei dem das Immunsystem das Allergen „kennt“ und darauf vorbereitet ist, bei erneutem Kontakt sofort zu reagieren. Danach kann schon eine geringe Allergenmenge Symptome auslösen.
Kommt das Immunsystem nach der Sensibilisierung erneut mit dem Allergen in Kontakt, setzt der Körper chemische Botenstoffe (z. B. Histamin) frei. Diese lösen dann allergische Beschwerden wie Niesen, Husten oder Hautausschlag aus.
Ja, je häufiger ein Mensch mit einem Allergen in Kontakt kommt, desto wahrscheinlicher reagiert das Immunsystem darauf. Das kann z. B. bei Pollen oder Nahrungsmitteln der Fall sein.
Nein. Nicht jeder entwickelt eine Allergie, das hängt von individuellen Faktoren ab. Einige Menschen werden sensibler, andere bleiben tolerant gegenüber denselben Allergenen.
IgE-Antikörper sind ein wichtiger Teil der allergischen Reaktion. Nach der Sensibilisierung bleiben sie im Körper und vermitteln beim nächsten Kontakt mit dem Allergen eine schnelle Immunantwort, die zur Freisetzung von Mediatoren wie Histamin führt.

Literatur

Zertifizierung

Auf unsere Informationen können Sie sich verlassen. Sie sind hochwertig und zertifiziert.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren