Ein lauter Schrei des Kindes weckt die Eltern. Zitternd und mit weit aufgerissenen Augen liegt das Kind im Bett. Es schaut durch die Eltern hindurch, ist nicht ansprechbar und kaum zu beruhigen. Nach wenigen Minuten ist der sogenannte Nachtschreck auch schon wieder vorüber. Was sich hinter diesem nächtlichen Phänomen verbirgt und wie Eltern sich verhalten sollten, erklärt dieser Ratgeber.
Der Nachtschreck, medizinisch als Pavor nocturnus bezeichnet, ist eine Schlafstörung, die vor allem bei Kleinkindern und Vorschulkindern im Alter zwischen zwei und sieben Jahren auftritt. „Meist ereignet sich dieses Phänomen in den ersten ein bis drei Stunden nach dem Einschlafen. Die Kinder schrecken plötzlich mit panischem Schreien auf, haben die Augen geöffnet, wirken verängstigt und sind oft schweißgebadet“, sagt Andrea Jakob-Pannier, Psychologin der BARMER. Häufig wird der Anfall durch einen schnellen Herzschlag und unkontrollierte Bewegungen begleitet. Obwohl die Kinder den Anschein erwecken, wach zu sein, sind sie in diesem Zustand weder ansprechbar noch reagieren sie auf Beruhigungsversuche. „Nach wenigen Minuten endet der Spuk abrupt, und die Kinder schlafen meist ruhig weiter. Am nächsten Morgen können sie sich in der Regel nicht an den nächtlichen Vorfall erinnern“, so Jakob-Pannier.
Häufigkeit des Nachtschrecks
Etwa drei bis sechs Prozent aller Kleinkinder erleben derartige Episoden gelegentlich. Während der Nachtschreck bei manchen Kindern nur einmalig auftritt, kann er bei anderen über Monate hinweg in unregelmäßigen Abständen vorkommen. Mit zunehmendem Alter verschwinden die Anfälle meist nach der Pubertät von selbst. Bei Erwachsenen ist der Nachtschreck sehr selten, kann aber in Zusammenhang mit starkem Stress, Schlafmangel oder anderen Schlafstörungen ebenso auftreten.
Mögliche Ursachen
„Die genaue Ursache des Nachtschrecks ist nicht vollständig geklärt, aber es gibt einige Faktoren wie ein unausgereiftes Nervensystem oder Stress und Schlafmangel, die eine Rolle spielen können“, sagt Jakob-Pannier. Für die Theorie des Nervensystems spricht der Umstand, dass das Gehirn von Kleinkindern sich noch in der Entwicklung befindet, weshalb Übergänge zwischen den Schlafphasen nicht immer reibungslos verlaufen können. Stress und emotionale Belastungen wie zum Beispiel den Eintritt in den Kindergarten beeinflussen ebenso wie Schlafmangel und Übermüdung durch viele Freizeitaktivitäten einen gesunden Schlafrhythmus. Das Auftreten des Nachtschrecks kann ebenso durch Fieber oder andere Erkrankungen gefördert werden. „Auch berichten häufig Eltern betroffener Kinder, dass sie selbst als Kind unter dem Nachtschreck oder ähnlichen Schlafstörungen gelitten haben, was für eine genetische Veranlagung spricht“, erläutert die Expertin.
Wie Eltern reagieren können
Für Eltern ist es meist erschreckend, ihr Kind in einem solch aufgewühlten Zustand zu erleben. Doch Andrea Jakob-Pannier rät dazu, möglichst ruhig zu bleiben und einige wichtige Punkte zu beachten:
Nicht aufwecken! „Auch wenn das Kind wach erscheint, so befindet es sich dennoch im Tiefschlaf. Der Versuch, es zu wecken, kann zu noch mehr Verwirrung und Unruhe führen.“
Ruhe bewahren! „Panik oder hektische Reaktionen der Eltern sind keine guten Berater und können das Kind zusätzlich stressen“, sagt die Expertin.
Für Sicherheit sorgen! "Sollte das Kind unruhig sein und um sich schlagen, muss darauf geachtet werden, dass es sich nicht verletzen kann. Das Entfernen von Hindernissen in der Nähe des Bettes ist ratsam."
Abwarten! „Nach wenigen Minuten ist der Nachtschreck wieder so schnell verschwunden, wie er gekommen ist. Eltern sollten ruhig und in der Nähe bleiben, aber nicht versuchen, das Kind zu trösten oder gar aufzuwecken“, rät die Psychologin.
Kein Thema! „Da das Kind sich sowieso nicht erinnern kann, ist es meist nicht nötig, den Vorfall am nächsten Tag zu thematisieren. Zu viele Nachfragen könnten zur Verunsicherung führen.“
Dem Nachtschreck vorbeugen
Übermüdung und unregelmäßige Schlafzeiten zählen zu den Hauptauslösern eines Nachtschrecks. Entsprechend ist es wichtig, feste Schlafzeiten einzuhalten. Ein gleichmäßiger Schlafrhythmus hilft dem Gehirn, sich an ein stabiles Schlafmuster zu gewöhnen. Ebenso gilt es am Abend Stress und den Medienkonsum zu vermeiden, der einem erholsamen Schlaf im Weg stehen könnte. Entspannende Abendrituale wie das Vorlesen oder Musikhören können helfen, dass das Kind zur Ruhe kommt und sanft in den Schlaf übergleitet.
Ärztliche Konsultation
Auch wenn er sich manchmal für die Eltern dramatisch anfühlen mag, aber der Nachtschreck ist harmlos und kein Grund zur Sorge. Ein Besuch in der kinder- und jugendärztlichen Praxis ist erst geboten, sollte die Frequenz des Nachtschrecks mit mehreren Episoden pro Woche sehr hoch liegen und das Kind dadurch im Alltag stark erschöpft und müde sein. Ebenso kann eine Ärztin oder Arzt konsultiert werden, wenn das Kind sich während eines Nachtschrecks selbst verletzt oder der Nachtschreck durch zusätzliche Schlafstörungen wie Schlafwandeln oder Atemaussetzern begleitet wird.
Fazit
Beim Nachtschreck handelt es sich um eine temporäre Schlafstörung, die für Eltern zwar beängstigend wirken kann, aber für das Kind in der Regel keine langfristigen Folgen hat. „Es gilt, Ruhe zu bewahren, das Kind nicht zu wecken und für eine entspannte Schlafumgebung zu sorgen. In den meisten Fällen wachsen Kinder aus dieser Phase heraus. Eltern können mit den richtigen Maßnahmen für ruhige Nächte sorgen und dem Nachtschreck erfolgreich vorbeugen“, sagt Andrea Jakob-Pannier.