Die Leistung steigern auf gesunde Weise. Diesem Ideal laufen viele Sportlerinnen und Sportler hinterher. Dabei treffen sie seit kurzem auf einen neuen Trend, die sogenannten Drip Bars. Was davon zu halten ist und welche Alternativen es gibt.
Der Trend ist noch recht jung und verspricht viel. Infusionen aus hochdosierten Vitaminen, Mineralstoffen und einer Kochsalzlösung sollen wahre Wunder wirken. Angeboten werden sie auch Sportlerinnen und Sportlern, die damit noch ein wenig mehr Leistung aus ihrem Körper kitzeln wollen, sollen oder möchten. Die Rede ist von sogenannten Drip Bars. Doch ist die Sache wirklich so einfach, oder ist der Hype mit den Vitamincocktails bei Preisen um die 100 Euro und mehr pro Infusion doch eher teurer Lifestyle?
Kein Wirkungsnachweis, dafür aber einige Risiken
„Für Drip Bars gibt es bislang keinen wissenschaftlichen Nachweis ihrer Wirksamkeit. Diese Cocktails aus hochdosierten Vitaminen und Mineralstoffen sind für gesunde Menschen ohne einen Mangel an Vitaminen und anderen Nährstoffen unnötig. Sie können ihren Bedarf daran in den meisten Fällen ganz einfach durch eine ausgewogene Ernährung sicherstellen“, rät Dr. Utta Petzold, Ärztin bei der BARMER in Wuppertal. Ihr bereitet aber nicht nur der fehlende Wirksamkeitsnachweis Sorgen. Denn bei den als Infusion verabreichten Vitamincocktails gibt es beachtliche medizinische Risiken. Wie bei allen Injektionen bergen Infusionen potenziell ein Risiko, dass sich die Einstichstelle infiziert. Und auch die Infusion selbst kann bei bestimmten Menschen Probleme schaffen. Vitamine und Mineralstoffe können überdosiert werden und dadurch gesundheitliche Schwierigkeiten mit sich bringen. So kann eine wiederholte Überdosis an Vitamin D dazu führen, dass verschiedene Körpergewebe Kalzium einlagern oder die Nieren irreparable Schäden davontragen. Zu Leberschäden, Kopfschmerzen und Hautausschlag kann es kommen, wenn durch eine Drip-Bar-Infusion das Vitamin A im Körper überdosiert wird. „Und schließlich muss man auch damit rechnen, dass die Inhalte der Infusion zu allergischen Reaktionen führen. Infusionen sollten deshalb immer ärztlich begleitet werden“, warnt Petzold. Zudem habe zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für innere Medizin davor gewarnt, dass Drip Bars Menschen mit Vorerkrankungen ernsthaft gefährden können. Speziell Patientinnen und Patienten mit Nierenerkrankungen sollten deshalb von Drip Bars die Finger lassen.
Alternativen für Sportlerinnen und Sportler
Katharina Steinbach, Sportwissenschaftlerin bei der BARMER, sieht die Drip Bars als einen Ausdruck des in unserer Gesellschaft weit verbreiteten Dranges zur Selbstoptimierung. Es sei verlockend, mal eben in einer kurzen Pause Tröpfchen für Tröpfchen Energie zu tanken und sich damit leistungsfähiger zu machen. Doch statt zweifelhafter Mixturen ohne Belege für ihre Wirksamkeit rät sie zu bewährteren Methoden, um die körperliche Fitness zu steigern. Zunächst einmal gehört dazu die Frage an sich selbst, ob man nicht aus eigener Kraft Abgeschlagenheit und den momentanen Mangel an Energie überwinden kann. Ein paar Atemzüge an der frischen Luft, ein Schluck Wasser oder ein kurzer Spaziergang können Lebensgeister zuverlässig wieder aufwecken. Und dann gibt es da noch einen Weg, der zwar etwas länger währt, aber dafür die Fitness dauerhaft höherschraubt. „Ein aktiver Lebensstil sorgt dafür, dass sich unsere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit steigert. Deshalb ist es auf jeden Fall besser, wenn man Bewegung als ganz selbstverständlichen Teil des Alltags in sein Leben einbaut“, so die Expertin. Zusammen mit anderen Bausteinen eines gesunden Lebensstils wie ausreichend Schlaf, ausgewogener Ernährung und dem Verzicht auf Rauchen und Alkohol verschwindet auch der Mangel an Energie und Leistungsfähigkeit, den Anbieter von Drip Bars beseitigen wollen. Natürlich darf man hier keine Wunder erwarten. Besser ist es, sich realistische Ziele zu stellen, mit Spaß und entsprechend der aktuellen Leistungsfähigkeit zu trainieren und möglichst dran zu bleiben. Welchen Sport man sich aussucht, ist dann schon fast nebensächlich. „Wer sich körperlich fit halten will, kann zum Beispiel laufen, schwimmen oder Rad fahren. Aber auch Ballsportarten, vor allem in der Mannschaft, oder Kampfsport bauen relativ schnell viel Fitness auf“, sagt Steinbach. Und wer es schafft, mit Sport ein aktives Leben zu führen und sich dabei noch ausgewogen ernährt, kann auf Drip Bars dankend verzichten.