Die Antwort auf diese Frage hat Dr. Ursula Marschall, Leitende Medizinerin bei der Barmer:
Woran liegt es eigentlich, dass Menschen in aller Regel am Tag aktiv sind und in der Nacht schlafen? Nur daran, dass es bei Tageslicht ungleich einfacher ist, den Alltag zu gestalten? Mitnichten. Tatsächlich hat sich der menschliche Körper im Laufe der Evolution an einen Tag-Nacht-Rhythmus angepasst. Tagsüber ist er aktiv, während nachts die Regeneration und Zellteilung ansteht. Gesteuert wird dies nicht nur durch eine einzige innere Uhr, sondern durch sehr viele in den menschlichen Zellen. Die zentrale Uhr aber sitzt im Gehirn. Sie meldet dem Körper, ob es Tag oder Nacht ist, synchronisiert die inneren Uhren der Zellen und gibt ihnen den Takt vor. Auf diesem Wege können die inneren Uhren dann im Tages- und Nachtverlauf viele wichtige Körperprozesse steuern. Dabei handelt es sich zum Beispiel um den Blutdruck, die Hormonausschüttung, Hunger- und Sättigungsgefühl sowie die Aktivität des Stoffwechsels. Bereits seit den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts gab es Versuche, um den Biorhythmus zu erforschen. Als Pionier dieser Disziplin, der sogenannten Chronobiologie, gilt Jürgen Aschoff. In einem Bunker untersuchte der deutsche Wissenschaftler mehrere Wochen lang Freiwillige in totaler Isolation. Dabei stellte sich heraus, dass sich der normale Tag-Nacht-Rhythmus der Probanden zwar etwas verschob, aber nicht durcheinanderkam. Die Schlussfolgerung lag nahe, dass der Körper über einen licht-unabhängigen Regelmechanismus verfügt. Die innere Uhr der Probanden folgte offenbar einem individuellen, genetisch festgelegten Rhythmus. Die eigentliche Herausforderung war damals der Moment, in dem die Testpersonen den Bunker verließen. Dann musste sich ihr Rhythmus erst wieder mit dem Sonnenlicht und der Umwelt synchronisieren.