Eine Pflegeperson notiert etwas auf einem Klemmbrett
STANDORTinfo Mecklenburg-Vorpommern

Absolventen starten im Projekt ErwiN

Lesedauer unter 3 Minuten

Spezialisierte Pflegefachkräfte übernehmen im Rahmen des Modellprojektes ErwiN künftig Aufgaben, die bislang ausschließlich Ärzten vorbehalten sind. Dies soll insbesondere die Versorgung der Menschen in dünnbesiedelten Gebieten verbessern. 

Meilenstein im Modellprojekt ErwiN: Am Institut für Pflegewissenschaft und Interprofessionelles Lernen der Unimedizin Greifswald haben jetzt die ersten neun examinierten und berufserfahrenen Pflegefachpersonen an einer halbjährigen Qualifikation teilgenommen. Sie haben ihre Prüfung abgelegt und dürfen nun als „Spezialisierte Pflegefachpersonen“ heilkundliche Tätigkeiten übernehmen.

Um den Folgen des steigenden Ärztemangels entgegenzuwirken und unnötige Krankenhauseinweisungen zu vermeiden, dürfen Ärzte im Rahmen des Modellprojekts mehr Aufgaben an qualifiziertes Pflegefachpersonal übertragen. Nach der staatlichen Abschlussprüfung dürfen diese Spezialisierten Pflegefachpersonen (SPFP) im ärztlichen Auftrag selbstständig und eigenverantwortlich den Gesundheitszustand der Patienten prüfen, Vital- und Laborparameter kontrollieren und Medikamente bei Bedarf hinsichtlich ihrer Anwendung anpassen. Sie beraten die Patienten und verordnen notwendige Pflegehilfsmittel sowie Verbandmaterial. Dabei stehen sie immer im Austausch mit den Ärzten, bei Hausbesuchen auch telemedizinisch. Das Institut für Pflegewissenschaft und Interprofessionelles Lernen der Unimedizin Greifswald hat die neun Teilnehmenden seit Januar 2024 zu diesen Spezialisierten Pflegefachpersonen weitergebildet.

Interprofessionelle Teams können Versorgung sichern 

Institutsdirektor Prof. Steve Strupeit erläutert: „Dies ist Pionierarbeit, die sich lohnen wird. Wir zeigen in diesem Modellprojekt, dass Pflegefachpersonen die Kompetenzen haben, Heilkunde selbstständig ausüben zu können. Dies ist die Vorstufe zu den notwendigen gesetzlichen Änderungen. Wir zeigen außerdem, dass die Versorgung nur im interprofessionellen Team gesichert werden kann.“ 

Den gesetzlichen Rahmen zu dieser Übertragung hatte die Bundesregierung geschaffen. Mehrere Partner in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin hatten daraufhin das Projekt ErwiN gestartet. Das Kürzel steht für „Erweiterte Übertragung von arztentlastenden Tätigkeiten in Arzt-Netzen“. Es wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert. Der G-BA ist das höchste Selbstverwaltungsgremium im deutschen Gesundheitswesen.

Pflegefachkräfte in Rostock und Greifswald qualifiziert 

Einer der Partner von ErwiN ist das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen. Der Standort Rostock/Greifswald ist für die Qualifikation zuständig. Als Kooperationspartner hat das Institut für Pflegewissenschaft und Interprofessionelles Lernen die neun Teilnehmenden zu SPFP weitergebildet. Die Absolventen sind in den Arztnetzen HaffNet (Mecklenburg-Vorpommern) sowie AGBAN (Berlin und Nordbrandenburg) und MEDIS (Südbrandenburg) tätig.

Nach der bestandenen Prüfung werden die neun Fachkräfte ab dem 8. Juli für anderthalb Jahre insgesamt rund 1.300 Patienten der beiden Partnerkrankenkassen AOK Nordost – Die Gesundheitskasse und BARMER in den Arztnetzregionen versorgen. Bereits in der Vorbereitungs- und Pilotierungsphase zeichnet sich bei den mehr als 70 teilnehmenden Hausärztinnen und Hausärzten der Ärztenetze eine hohe Akzeptanz dieser Versorgung ab.  Die Auswirkungen dieser Versorgung werden analysiert und vom Institut AGENON in Berlin evaluiert. Die Ergebnisse wird der Innovationsausschuss des G-BA bewerten. Ziel soll es sein, dass der G-BA aufgrund der Evaluationsergebnisse nach Projektende eine positive Bewertung des Projekts abgibt und diese Übertragung von Aufgaben Teil der Regelversorgung wird. Damit kann sowohl ein wichtiger Beitrag zur medizinischen Versorgungssicherung strukturschwacher Regionen geleistet werden, als auch der Pflegeberuf eine deutliche Aufwertung erfahren, wie sie international oft schon selbstverständlich ist.

 

Ärztenetze
MEDIS Management GmbH (Konsortialführung)
AGBAN – Arbeitsgemeinschaft Berliner Arztnetze GmbH & Co.KG
Haffnet Management GmbH


Qualifizierung
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)


Krankenkassen
AOK Nordost – Die Gesundheitskasse
BARMER


Evaluation
AGENON Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Gesundheitswesen mbH


Projektmanagement
Jäger Gesundheitsmanagement – JGM GmbH