Erhebliches ungenutztes Potenzial für ambulante Versorgung in Berlin und Brandenburg
- In Berlin wären im Jahr 2025 rund 19,8 Prozent der vollstationären Krankenhausfälle grundsätzlich auch ambulant behandelbar gewesen. Das entspricht etwa 136.000 Fällen.
- In Brandenburg lag der entsprechende Anteil bei 21,4 Prozent beziehungsweise etwa 126.000 Fällen. Der prozentuale Anteil zählt mit zu den höchsten Werten in Deutschland.
- Bundesweit waren es knapp 3,5 Millionen Fälle. Im Jahr 2019 lag der Anteil bei 24 Prozent oder gut 4,5 Millionen Fällen.
- Der erweiterte Versorgungskompass der BARMER ermöglicht unter anderem einen detaillierten Blick auf potenziell vermeidbare Krankenhausfälle in der Region. Die Daten reichen bis auf Kreisebene und bilden die Entwicklung im Jahresverlauf ab.
- BARMER-Landeschefin Leyh: „Ambulantisierung kann auch für Berlin und Brandenburg ein zentraler Hebel für eine moderne und effiziente Gesundheitsversorgung sein. Entscheidend ist, dass Behandlungen dort stattfinden, wo sie medizinisch sinnvoll sind und wo notwendige Strukturen und Kapazitäten vorgehalten werden können.“
Berlin/Potsdam, 2. November 2026 – In Berlin und Brandenburg werden weiterhin zahlreiche Behandlungen im Krankenhaus durchgeführt, obwohl ein erheblicher Teil davon grundsätzlich auch ambulant möglich gewesen wäre. Der erweiterte Versorgungskompass der BARMER macht sichtbar, wie groß dieses Potenzial in beiden Ländern ist. Für Berlin lag der Anteil der grundsätzlich ambulantisierbaren vollstationären Krankenhausfälle im Jahr 2025 bei etwa 19,8 Prozent, was rund 136.000 Fällen entspricht. In Brandenburg waren es 21,4 Prozent oder rund 126.000 Fälle, was prozentual mit zu den höchsten Werten in Deutschland zählt. „Die Zahlen für Berlin und Brandenburg machen deutlich, dass wir bei der Umsetzung des Prinzips ‚ambulant vor stationär‘ noch längst nicht am Ziel sind. Wir haben in der Region, in Städten und eher ländlich geprägten Gegenden zwar unterschiedliche Ausgangsbedingungen, brauchen aber gleichermaßen verlässliche Strukturen und eine bessere Verzahnung der Versorgungsbereiche“, sagt Gabriela Leyh, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Berlin und Brandenburg.
Versorgungskompass mit Daten bis auf regionaler Ebene
Der erweiterte Versorgungskompass bietet einen umfassenden Überblick über potenziell vermeidbare Krankenhausfälle und berücksichtigt auch aktuelle Möglichkeiten der ambulanten beziehungsweise sektorenübergreifenden Abrechnung. Die interaktiven Daten reichen bis zum Jahr 2025 und ermöglichen so eine differenzierte Betrachtung der regionalen Versorgungssituation. Für Brandenburg ist eine Betrachtung bis auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte möglich. Damit wird sichtbar, dass sich das Ambulantisierungspotenzial unterschiedlich verteilt. So sind Potsdam mit 19,7 Prozent und die Region Elbe-Elster mit 19,9 Prozent die Kreise mit dem geringsten Ambulantisierungspotenzial im Land Brandenburg. Den höchsten Wert hingegen weist Oberhavel mit 23,5 Prozent solcher Fälle aus. „Eine erfolgreiche Gesundheitsplanung braucht einen möglichst genauen Blick auf die regionale Versorgung. Der Versorgungskompass hilft dabei, Unterschiede sichtbar zu machen und dort nach Lösungen zu suchen, wo ambulante Angebote ausgebaut werden müssen“, sagt Leyh.
Strukturelle Voraussetzungen in der Region unterschiedlich
Beim Thema Ambulantisierung sind nach Einschätzung der BARMER-Landeschefin die strukturellen Voraussetzungen sehr unterschiedlich. Während Berlin über eine hohe Dichte medizinischer Angebote verfüge, stehe das Flächenland Brandenburg insbesondere vor dem Hintergrund größerer Entfernungen, einer teilweise geringeren Bevölkerungsdichte und regional unterschiedlicher Versorgungsstrukturen vor besonderen Herausforderungen. „Ambulantisierung darf nicht bedeuten, Leistungen lediglich aus dem Krankenhaus zu verlagern. Patientinnen und Patienten müssen auch tatsächlich Zugang zu einer leistungsfähigen ambulanten Versorgung haben. Gerade in Brandenburg kommt es deshalb darauf an, Erreichbarkeit und Versorgungsangebote gleichzeitig im Blick zu behalten“, fordert Leyh. Aus ihrer Sicht sollten geeignete Eingriffe konsequenter ambulant erbracht, die entsprechenden Vergütungsstrukturen weiterentwickelt und die Zusammenarbeit zwischen Kliniken, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie weiteren Gesundheitsberufen intensiviert werden. „Wir brauchen einen Rahmen, der ambulante Versorgung nicht nur ermöglicht, sondern attraktiv und verlässlich macht. Dazu gehören eine faire Vergütung, klare Qualitätsvorgaben und funktionierende Übergänge zwischen den Sektoren.“
Der aktualisierte Versorgungskompass der BARMER kann hier abgerufen werden.
Diese Pressemitteilung steht auch im Presseportal der BARMER-Landesvertretung Berlin/Brandenburg zum Download bereit.
Pressekontakt:
Kai Fortelka
Pressesprecher der BARMER für Berlin und Brandenburg
Telefon: 0202 568 151 140
E-Mail: presse.be.bb@barmer.de
X: x.com/BARMER_BB