Zwei junge Beschäftigte in der Firma schauen auf einen PC-Bildschirm
BARMER-Mittelstandsstudie

Viele Unternehmen schöpfen Potenziale der Gesundheitsförderung nicht aus

Lesedauer weniger als 5 Min
  • 94 Prozent der mittelständischen Unternehmen betrachten die Gesundheit ihrer Beschäftigten als wichtigen Erfolgsfaktor.
  • Gleichzeitig stehen viele Führungskräfte der bewussten Entwicklung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen weiterhin zurückhaltend gegenüber. 33 Prozent gelten als zögerlich, 27 Prozent sogar als skeptisch. Lediglich 40 Prozent gelten als aktive Botschafter „gesunder Arbeit“.
  • BARMER-Landesgeschäftsführerin Leyh: „Gesunde Beschäftigte sind die wichtigste Ressource eines Unternehmens. Dennoch wird die betriebliche Gesundheitsförderung vielerorts noch nicht als strategische Investition verstanden, sondern als freiwillige Zusatzleistung betrachtet.“

 

Berlin/Potsdam, 14. Oktober 2026 – Die große Mehrheit mittelständischer Unternehmen erkennt den hohen Stellenwert der Gesundheit ihrer Beschäftigten für den wirtschaftlichen Erfolg an. Dennoch bleibt die betriebliche Gesundheitsförderung in vielen Firmen hinter ihren Möglichkeiten zurück. Das zeigt die Studie „Gesunde Arbeit. Anspruch und Wirklichkeit im Mittelstand“, die die BARMER gemeinsam mit F.A.Z. Business Media | research durchgeführt hat. „Zahlreiche Unternehmen wissen, dass gesunde Beschäftigte motivierter, leistungsfähiger und langfristig stärker an ihren Arbeitgeber gebunden sind. Zwischen Bewusstsein und konsequenter Umsetzung klafft jedoch häufig eine Lücke“, sagt Gabriela Leyh, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Berlin und Brandenburg.

Gesundheitsförderung befürwortet, aber selten konsequent umgesetzt

Nach den Ergebnissen der Untersuchung bewerten 94 Prozent der befragten Unternehmen die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden als wesentlichen Erfolgsfaktor. Sobald es jedoch um konkrete Investitionen und strukturelle Maßnahmen geht, zeigen sich deutliche Vorbehalte. Nach Worten von BARMER-Landeschefin Leyh werde eine aktive gesundheitsförderliche Gestaltung von Arbeitsbedingungen in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten noch immer zu häufig nachrangig behandelt. Dabei könne gerade sie dazu beitragen, Fehlzeiten zu reduzieren, die Arbeitgeberattraktivität zu steigern und Fachkräfte langfristig zu sichern.

Skepsis und Zurückhaltung prägen Entscheidungsebenen

Laut Studie gelten lediglich 40 Prozent der befragten Führungskräfte als aktive Botschafter, sind informiert, engagiert und im Sinne einer gesunden Arbeitsgestaltung handlungsorientiert. Besonders häufig finden sich Befürworterinnen und Befürworter in Personalabteilungen oder im betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM). Dort fehle jedoch oftmals die Möglichkeit, entsprechende Konzepte verbindlich zu etablieren. Auf den eigentlichen Entscheidungsebenen zeigen sich dagegen erhebliche Vorbehalte. 27 Prozent der Verantwortlichen stehen Maßnahmen zur Gesundheitsförderung skeptisch gegenüber. Weitere 33 Prozent erkennen zwar deren Bedeutung an, zweifeln jedoch an Nutzen, Wirksamkeit oder Wirtschaftlichkeit. „Wer gesundheitliche Prävention ausschließlich als Kostenfaktor betrachtet, übersieht ihre langfristigen Effekte. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in Berlin und Brandenburg können gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden“, sagt Leyh.

Gesundheitsmanagement bleibt oft auf Einzelmaßnahmen beschränkt

In vielen Betrieben beschränkt sich der Untersuchung zufolge Gesundheitsförderung weiterhin auf einzelne Angebote ohne langfristige Strategie. Dazu zählen vor allem kostenlose Getränkeversorgung mit 79 Prozent, ergonomische Arbeitsplätze mit 63 Prozent sowie Bewegungs- und Gesundheitsangebote mit 62 Prozent. Aus Sicht der BARMER reichen solche Maßnahmen allein jedoch nicht aus. „Ein Obstkorb oder ein höhenverstellbarer Schreibtisch sind sicher sinnvolle Bausteine. Nachhaltige Gesundheitsförderung beginnt jedoch mit einer systematischen Analyse der Belastungen und Bedürfnisse der Beschäftigten. Nur wenn Mitarbeitende aktiv eingebunden werden, entstehen passgenaue und wirksame Konzepte“, erläutert Leyh. Gerade in einer Arbeitswelt, die von zunehmender Digitalisierung, steigenden psychischen Belastungen und demografischen Veränderungen geprägt sei, gewinne ein strukturiertes BGM an Bedeutung. Dazu gehörten beispielsweise regelmäßige Gesundheitsanalysen, die Etablierung gesundheitsförderlicher Führungsstrukturen und die Einbindung der Mitarbeitenden, um bedarfsgerechte Maßnahmen zu ergreifen.

Positive Erfahrungen sprechen für Gesundheitsförderung

Unternehmen, die der Umfrage zufolge bereits gesundheitsfördernde Maßnahmen etabliert haben, berichten überwiegend von positiven Erfahrungen. So verzeichnen 59 Prozent ein besseres Betriebsklima und 56 Prozent eine höhere Arbeitszufriedenheit. Bei 34 Prozent ist nach eigenen Angaben die Produktivität gestiegen, während 31 Prozent sinkende Fehlzeiten beobachten. Als Herausforderungen nennen die Befragten vor allem höhere Kosten mit 41 Prozent und zusätzlichen Verwaltungsaufwand mit 35 Prozent. Für die BARMER-Landeschefin überwiegen dennoch deutlich die Vorteile: „Investitionen in die Gesundheit der Beschäftigten zahlen sich nicht nur wirtschaftlich aus. Sie stärken auch die Identifikation mit dem Unternehmen, verbessern das Betriebsklima und erhöhen die Attraktivität als Arbeitgeber. Gerade in der Region sind das wichtige Faktoren, um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.“

Diese Pressemitteilung steht auch im Presseportal der BARMER-Landesvertretung Berlin/Brandenburg zum Download bereit.

Pressekontakt:

Kai Fortelka
Pressesprecher der BARMER für Berlin und Brandenburg
Telefon: 0202 568 151 140
E-Mail: presse.be.bb@barmer.de
X: x.com/BARMER_BB

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren