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Schüler-Wettbewerb „Die Impf-Checker“

Interview mit Catrin Steiniger, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg zur Krebsvorsorge im Klassenzimmer

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Frau Steiniger, Deutschland liegt bei der HPV-Impfquote im europäischen Vergleich deutlich zurück. Was hat die KVBB dazu bewogen, mit dem Schülerwettbewerb „Die Impf-Checker“ einen neuen Weg in der Aufklärung zu gehen?

Wir können beim Imfpschutz nicht länger auf den hinteren Plätzen verharren. Deshalb haben wir im vergangenen Jahr den „Runden Tisch Impfen“ initiiert. Daraus ist dann die „AG Impfen“ entstanden. Dort diskutiert ein breites Bündnis aus Politik, Krankenkassen, Ärzteschaft, Apotheken und der Pharmaindustrie. In diesem Expertenkreis war schnell klar: Wir brauchen einen radikalen Perspektivwechsel. Wir wollen weg von der bloßen Information hin zur aktiven Beteiligung. Die Idee der Impf-Checker wurde von allen Beteiligten der AG Impfen als der richtige Hebel bewertet, um über das Thema Impfen aufzuklären. Unser gemeinsames Ziel ist es, die Gesundheitsprävention zu stärken und damit auch die Impfquoten zu steigern.

Der Wettbewerb setzt bewusst auf kreative Formate wie Videos oder Podcasts. Warum ist es aus Ihrer Sicht so wichtig, dass Jugendliche selbst zu Botschaftern für das Thema Impfschutz werden?

Gesundheit findet nicht nur im Sprechzimmer statt, sondern dort, wo das Leben spielt. Wir sprechen vom Setting-Ansatz. Das bedeutet schlicht: Wir gehen direkt in die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen. Wir wissen, dass Gleichaltrige die überzeugendsten Botschafter sind. Wenn Schülerinnen und Schüler Gleichaltrigen per Podcast erklären, warum die HPV-Impfung wichtig ist, hat das eine ganz andere Glaubwürdigkeit als jede Broschüre. Wir befähigen die Kinder und Jugendlichen, Verantwortung für ihre eigene Gesundheit zu übernehmen und dieses Wissen in ihren Freundeskreis und ihre Familien zu tragen.

Mit „Die Impf-Checker“ soll das Klassenzimmer zu einem Ort der Gesundheitskompetenz werden. Welche Rolle können Schulen aus Ihrer Sicht künftig bei Prävention und Impfaufklärung spielen?

Schulen müssen eine viel zentralere Rolle spielen. Der Blick nach Island oder Norwegen zeigt: Impfquoten von über 90 Prozent sind kein Zufall, sondern das Ergebnis von Impfangeboten direkt in den Schulen. In Deutschland gehen wir diesen Weg bisher nicht. Umso wichtiger ist es, das Thema jetzt niedrigschwellig in den Unterricht zu integrieren. Mein langfristiges Ziel ist klar: Wir brauchen in Deutschland ein Schulfach ‚Gesundheit und Prävention‘. Gesundheitskompetenz ist eine lebenswichtige Fähigkeit, die man genauso lernen muss wie Mathematik oder Deutsch.

Acht von zehn Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit HPV. Trotzdem wird die Impfung noch zu selten genutzt. Wo sehen Sie als Medizinerin die größten Informationslücken bei Jugendlichen und Eltern?

Es halten sich hartnäckige Mythen. Viele sehen die HPV-Impfung immer noch als reine Mädchen-Impfung. Das ist falsch und gefährlich, denn HPV betrifft alle Geschlechter. Zudem beobachten wir, dass die allgemeine Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung sinkt. Prävention wird oft als lästige Pflicht wahrgenommen, dabei ist sie unsere schärfste Waffe gegen Krebs und viele andere Krankheiten. Je früher wir Kindern vermitteln, dass Vorsorge ein ganz natürlicher Teil der Gesundheitsfürsorge ist, desto selbstverständlicher werden sie später als Erwachsene damit umgehen.

Mehrere Krankenkassen unterstützen den Wettbewerb, darunter auch die BARMER. Welche Wirkung erhoffen Sie sich von dieser gemeinsamen Initiative – und was wäre aus Ihrer Sicht ein Erfolg für Brandenburg?

Dieses Projekt ist ein starkes Signal der Einheit. Dass wir fünf große Krankenkassen als Partner an Bord haben, zeigt: Beim Schutz vor Krebserkrankungen ziehen wir alle an einem Strang. Es geht hier nicht um Kassenwettbewerb, sondern um das Wohl der Kinder und Jugendlichen in Brandenburg. Die insgesamt 5.000 Euro Preisgeld für die Klassenkassen sind ein toller Anreiz, um als Team gemeinsam kreativ zu werden. Ein Erfolg wäre für mich, wenn wir durch die ‚Impf-Checker‘ eine breite Diskussion in den Schulen und Familien auslösen und Brandenburg damit zum Vorreiter bei den Impfquoten machen.